Danke an Sabine Zink für diesen gelungenen Artikel:

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Integration auf vier Rollen

Menschen mit Autismus haben es nicht immer leicht, sich in die Gesellschaft zu integieren. Peter Körffer gründete vor beinahe zwei Jahren das innovative Projekt „AutistaSkates®“. Es ist eine Initiative, bei dem erfahrene Skater Heranwachsenden, die mit einer Form von Autismus diagnostiziert wurden, den Sport auf vier Rollen nahe bringen. – Und ihnen so ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

„Mit Gefühlen und vor allem dem Erkennen von Gefühlen anderer Menschen tun sich viele autistische Personen sehr schwer – aber durch die Konzentration auf dieses wackelige Skateboard schwindet die Anstrengung, das Gegenüber richtig einschätzen zu müssen“, erzählt Peter Körffer von seinen Erfahrungen bei AutistaSkates®. Dabei handelt es sich um eine Aktionsgruppe, die autistischen Kindern und Jugendlichen das Skateboarden nahebringt. Den zündenden Funken zu diesem Pilotprojekt erhielt der Schriftführer des Augsburger Skate-Vereins RAZED e.V. im Winter zwischen 2012 und 2013 durch ein Youtube-Video der US-Initiative „Askate.org“. Darin sah er, wie sich Skateboarder ehrenamtlich mit autistischen Kindern beschäftigen und spürte anschließend den Wunsch, das auch in Augsburg zu probieren. Der erste Kurs wurde dann im Juni 2013 durchgeführt und stieß überraschend schnell auf Erfolg. Gerade zu Beginn sah sich Peter, der selbst mehr als dreißig Jahren auf dem Rollbrett unterwegs ist, mit Zweifeln in seinem Umkreis konfrontiert. „Anfangs gab es zwar skeptische Stimmen, die mich warnen wollten, eigene Ziele nicht zu hoch stecken. Vermutlich würden sich die wenigsten Menschen mit Autismus auf so eine Idee einlassen. Zum Glück haben sich diese Vermutungen nicht bestätigt“, mit einem Hauch Triumph in seiner Mimik.

Im Mittelpunkt stehen bei AutistaSkates® seitdem pädagogische Ziele. Eine Altersgrenze existiert nicht. Vielmehr sind all jene zum Mitmachen eingeladen, bei denen eine Form von Autismus diagnostiziert wurde. Vielmehr sind In Zusammenarbeit mit der Selbsthilfegruppe Autismus Augsburg üben mittlerweile 22 Teilnehmer mit etwa zwanzig Trainern, die Balance auf dem rollenden Sportgerät, doch das Interesse an der innovativen Aktion wächst immens. „Da sich Personen mit Autismus mit sozialer Interaktion schwer tun, hilft es ihnen, sich über ein Medium mit anderen Menschen auszutauschen – sei es ein Blatt Papier, ein Computer oder eben ein Skateboard. Wenn solch ein Medium als Mittler zwischen den Personen steht, erleichtert das ein soziales Erleben immens und sorgt so für ein äußerst intensiv erlebtes Miteinander der Teilnehmer mit ihrem persönlichen Trainer“, erklärt Peter.

Die Heranwachsenden werden in der Augsburger Bluebox Rollsportarena mit einer Ausrüstung für Knie, Ellbogen, Hände, einem Helm sowie Skateboard ausgestattet und dann von erfahrenen Skatern individuell in den Sport eingeführt. „Dabei gibt es unterschiedliche Ansprüche unserer Kids. Die einen wollen krasse Stunts lernen, andere können sich überhaupt nicht vorstellen, nur einen Fuß auf ein Rollbrett zu stellen und gehen entsprechend skeptisch an den Kurs heran“, schildert Peter. Jedoch sind alle Beteiligten erstaunt, wie schwierig und gleichzeitig spaßig die ersten Schritte auf dem Skateboard sein können. Die Kurse finden derzeit, auch dank der Förderung durch das Gesundheitsamt der Stadt Augsburg, alle zwei Wochen mit je fünf bis sieben Kindern statt. Jeder Trainer setzt sich dabei zwei Stunden intensiv mit seinem eigenen Schützling auseinander. Einzelne Trainer sind tatsächlich als Sozialpädagogen oder Therapeuten beruflich engagiert, die meisten sind aber Studenten und Schüler, die nicht immer Erfahrungen mit Autismus aufweisen. „Inzwischen bin ich sogar froh, dass die wenigstens Kenntnisse mitbrachten. Ich glaube, dass diese Unkenntnis von Vorteil ist, um unbefangen auf unsere Teilnehmer zugehen zu können“, führt Peter aus.

Dabei sind die Intentionen der Teilnehmer verschieden. Während einige sehr ehrgeizig sind und versuchen, sich im Bowl – einer Art Skate-Pool – bis an die Kante des Geländers zu pushen, wollen andere sitzend oder liegend durch die Halle cruisen. Auf der anderen Seite erfahren unsere Trainer sehr intensiv die Auswirkungen ihres Tuns. Sie sind meistens zwischen 16 und 30 Jahren alt, wobei es vor allem für die Jüngeren eine besondere Erfahrung ist. Skateboarder sind sowieso gern ein wenig anders als andere Gleichaltrige, der Leistungsdruck oder Drang zu Siegen wie in anderen Sportarten ist ihnen fremd. „Umso spannender ist es zu sehen, wie sie auf die ihnen anvertrauten Kinder reagieren. Die Erfahrung, dass andere Menschen wesentlich extremer aus der Mitte einer Gesellschaft gedrängt werden, als das Skateboarder gern für sich reklamieren, fördert offensichtlich die Persönlichkeit unserer Trainer“, erkennt Peter und fügt abschließend hinzu: „Impulse zu geben und Wege aufzuzeigen ist ein durchaus positiver Effekt von AutistaSkates®“, freut sich Peter. Und auch die Eltern der Teilnehmer erkennen, dass ihre Kinder durch den Skatesport oft selbstbewusster werden. Die Teilnehmer erfahren nämlich, dass die Diagnose Autismus nicht unbedingt bedeutet, aus gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen sein zu müssen, sondern mit ihren Trainern einen ziemlich coolen Sport erlernen zu können.

Skateboards als Medium

2 Gedanken zu „Skateboards als Medium

  • 20. April 2015 um 8:47
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    Klasse. Wieder ein Beispiel dafür welch wundervolle Dinge Skateboarding vollbringen kann! Danke!

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  • 23. Mai 2015 um 9:55
    Permalink

    Toller Beitrag, Kompliment an Euch alle!

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