Ein paar Leute, die ihre Kinder schon zu einem unserer Kurse geschickt haben, werden seitdem von ihrem Nachwuchs beackert. Ein richtiges Skateboard muss her. Daher fasse ich hier mal meine ganz persönlichen Erkenntnisse zusammen. Die sind vielleicht nicht ganz das, was echte Profis sagen würden, aber so weit sind die meisten Kids hier ja auch nicht.

Ich selbst fahre ja mehr Long- als Shortboard, das hat aber weniger mit “Cool/Uncool” zu tun, sondern einfach damit, dass ich für die Shorties nicht gut genug bin.

Jetzt pochen zwei Seelen in meiner Brust: als passionierter Longboarder freut es mich natürlich, wenn ein paar mehr von uns über die Straßen kacheln würden. Aber aus meiner Erfahrung mit dem ganzen Skateboarding heraus kann ich nur sagen: wer mit dem Shortie (also Skateboard) anfängt, wird der bessere Boarder.

Das ganze ist natürlich auch eine Frage des Geldes: ein passables Skateboard gibt es im Fachhandel schon für rund 100 bis 120 Euro, bei Longboards geht es bei Minimum 130 € erst los, nach oben gibt es Grenzen im Bereich 600/700 €… bei zwei Kindern ist das also schon nicht ganz ohne – und ein Brett teilen, so weit reicht erfahrungsgemäß die Liebe unter Geschwistern höchstens fünf Minuten. Dringend abraten würde ich von Kaufhausboards, die kosten zwar teils nur 30 oder 40 €, bieten aber exakt 0 Fahrspaß. 

Was sollte ein “richtiges” Skateboard bieten? Wenn es von der Stange ist, sollte es aus kanadischem Ahorn gefertigt sein, wenigstens 7 verleimte Lagen bieten Stabilität. Außerdem sollten die Achsen “massiv” wirken – wenn die Grundplatte, die am Brett befestigt ist, gleichmäßig nur 2 Millimeter hoch ist, bricht sie bei etwas größere Belastung sicher ab – Verletzungspotenzial inklusive. Die Massivität begründet auch, dass in der Achse drin ein durchgehender Achsstift wahrscheinlich ist, statt nur zwei Gewindestäbchen rechts und links. Die Rollen dürfen gern beschriftet sein mit Begriffen wie “58 mm” (Durchmesser) oder “98a”, das steht dann für die Härte des PU-Materials (wobei höhere Werte größere Härte bedeuten). Rollen mit kleinerem Durchmesser (unter 60 mm) und größerer Härte (über 86a) sind eher für Skateparks, die anderen für die Straße geeignet.

Das reicht jetzt aber an Fachkauderwelsch – geht bitte zu einem Fachhändler, dort gibt es keinen Kaufhausschrott, und was ihr dort kaufen könnt, übererfüllt alles, was ich bisher geschrieben habe.

Vielen Kindern ist die Frage nach Long- oder Skateboard wichtig. Dazu folgendes: Longboards boomen derzeit, sind aber nur bedingt die richtige Wahl. Gerade Anfänger erleben Longboarden als sehr leicht – das liegt daran, dass Longboards auf Fahrkomfort und – ich gebe es nur ungern zu – Poser zugeschnitten sind. Die Dinger rollen fast von alleine, das Lenkverhalten ist gutmütig, durch die große Bauweise hat man einen sehr guten Stand und nicht so sehr das Gefühl, das Ding möchte einem unter dem Hintern wegrutschen. Aber die Möglichkeiten auf den langen Teilen sind begrenzt. Viel mehr als schnell den Berg runter oder gemütlich durch die Stadt cruisen ist für Anfänger kaum möglich. Ein Skateboard dagegen ist schnell auch mal im Auto mitgenommen, und man braucht nicht viel Platz: eine ruhige Spielstraße, ein breiterer Gehweg oder eine Garageneinfahrt reichen da leicht aus. Beim Longboard ist der Weg das Ziel, wenn man nicht gerade einen schönen Radweg vor der Haustür hat, muss man recht viel durch den Straßenverkehr, was für Kids allein oft nicht die beste Wahl ist.

Ein Argument aus der Praxis: wer nicht direkt vor der Haustür einen neu geteerten großen Privatparkplatz mit fest installierten Ramps hat, wird auf einem Skateboard weniger Spaß als auf einem Longboard haben. Die Minirollen von Skateboards bedingen einen sehr glatten Untergrund, sobald Split liegt oder der Boden rau wird, kann man sehr schnell auf dem Gesicht landen. Die riesigen Longobardrollen verzeihen einiges mehr an Unebenheiten.

Und ein letztes Argument noch: je nach Kind gibt es hier eine eigene Gewichtung: auf einem Longboard fährt es sich ruhiger, stabiler und schneller, dafür kann man kaum Tricks lernen. Ein Skateboard fordert motorisch deutlich mehr heraus, der Anfängererfolg stellt sich hier aber nicht so spontan ein, man muss auch deutlich mehr üben, um seine Fahrkünste zu verbessern. Im Lauf der Zeit wird ein versierter Skateboarder sicher besser und spektakulärer Longboard fahren können als umgekehrt. Wer es aber – wie ich – auch gern mal mit der Naturerfahrung hat und auf Zirkusakrobatik verzichten kann, ist sicher auch sehr zufrieden, wenn er einen Nachmittag lang nur in der freien Natur von einem Hügel zum nächsten zuckelt. Im Endeffekt ist es also immer auch eine Frage der Persönlichkeit, wer sich auf welchem Board lieber bewegt.

Mein Skatepark-Lieblingssetup: Bustin YoFace 32″ mit 180er Skateboardachsen und relativ großen (Rayne Envy Wheels, 62 mm, 98a) Skateboardrollen. Da kommt man preislich in die Region 210 € und hat ein Zwischending zwischen Longboard und Skateboard.

Auf der Straße rolle ich gern auf einem Globe Pintail, das kostet im Laden um die 150 €. Da müsst ihr übrigens drauf bestehen, dass im Laden noch Spacer eingebaut werden – das lässt Globe absichtlich weg, weil angeblich verzichtbar, ich halte das aber für eine reine Sparmaßnahme, um den Gewinn zu maximieren.

Noch Fragen? Immer her damit, sobald ich Zeit habe, antworte ich gern darauf.

Skateboard? Longboard? Ein Einkaufsratgeber

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