AutistaSkates™ ist angedacht als niedrigschwelliges Angebot in der offenen Behindertenarbeit, und eher pädagogisch als therapeutisch einzustufen. Im Mai hat Matthias Claus, ein Student der Sozialpädagogik seine Bachelorarbeit über unser Projekt geschrieben. Darin kommt er u.a. zu dem Schluss, dass sich im Prinzip diese Arbeit auch zu therapeutischen Zwecken nutzen ließe.

Wir sind dennoch vorsichtig, diesen Begriff zu verwenden, da wir konkret fürchten, als „Scharlatane“ dargestellt zu werden, wenn unsere Trainer ohne entsprechende Ausbildung im Bereich Medizin therapiebegleitenden Maßnahmen anbiete. Natürlich sehen wir auch, dass es sehr viele Therapien gibt, die vergleichbare Qualitäten haben, so zum Beispiel „therapeutisches Reiten“ oder „therapeutisches Klettern“.


Es ist ein klares Ziel, AutistaSkates langfristig in Therapieangebote einzupflegen, auch um nicht länger von wohlwollenden Mitmenschen und Sponsoren abhängig zu sein. Um wieviel leichter wäre es, wenn wir den Eltern anbieten könnten, einfach mit der Krankenkasse abzurechnen. Aber das ist derzeit Zukunftsmusik.

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In unserem bisher also als pädagogisch definierten Projekt haben wir verschiedene Ziele vor Augen. Dabei gilt es zu unterscheiden zwischen solchen für die autistischen Kinder und solchen für unsere Trainer.

Bei den Trainern, die wir aus der Skateboarderszene rekrutieren, steht meist ein altruistischer Ansatz im Vordergrund, umso schöner daher die Erfahrung, dass diese selbst erlebte Inklusionsarbeit auch ihre Leben bereichert. Wir haben bei den teils noch minderjährigen Helfern gravierende Fortschritte in deren sozialer Einstellung erlebt. Einzelne Helfer sind „wuide Hund“, wie wir in Bayern sagen; bei AutistaSkates war davon nichts zu spüren, im Gegenteil haben gerade diese Kollegen besonders intensiv mitgearbeitet.


Für unsere autistischen Kinder sehen die Ziele naturgemäß ganz anders aus. Wir unterscheiden hier zwei Themengebiete, den körperlichen und den psychosozialen Aspekt. Autismus-Spektrum-Störungen sind sehr vielfältig, und wir können mit AutistaSkates nur einen Teil dieser Menschen überhaupt erreichen. Es gibt verschiedene Ausprägungen, die teils mit so großen körperlichen Beeinträchtigungen einhergehen, dass Sport jeder Art nicht denkbar ist. Überraschenderweise sind dagegen die sozialen Störungen, unter denen viele Autisten leiden kaum ein Hindernis. Das liegt wohl auch daran, dass wir bei diesen Trainingseinheiten zwar einen Kontakt zu den Trainern als fremde Menschen erzwingen, dieser sich aber auf einen Menschen beschränkt (wir trainieren im 1:1-Modus), und zugleich steht zwischen unserem Trainer und seinem Schützling ein Skateboard wie ein Medium, über das kommuniziert wird. Wir benennen also als Zielsetzung für unsere Kinder eine Erweiterung ihres Horizonts: wir erarbeiten gemeinsam die Erfahrung, dass eine fremde Umgebung, unbekannte soziale Interaktionen (die Skateboarder tatsächlich als normal erachten, in anderen Teilen der Gesellschaft aber undenkbar wären) und soziale Interaktion mit fremden Menschen auch eine Bereicherung statt einer Bedrohung sein kann.

Stehend auf so ein wackeliges Ding? Besser fühlt es sich manchmal im Sitzen an
Stehend auf so ein wackeliges Ding? Besser fühlt es sich manchmal im Sitzen an

 

Außerdem freuen sich die Kinder auch daran, dass sie in einem so „regellosen“ Sport wie dem Skateboarden ohne Zwang in ihrem eigenen Tempo Fortschritte machen können, ohne einem Gruppenzwang zu unterliegen. Das ist tatsächlich eine Besonderheit: bei den meisten Sportarten stehen strenge Regeln im Zentrum – denken Sie an Fußballfans, die nach einem Foul am eigenen Spieler lauthals nach Vergeltung schreien, aber den gegnerischen Spieler als Mimose bezeichnen, wenn ihm der halbe Knochen aus dem Schienbein ragt. Solche Auswüchse gibt es beim Skateboarden auch dank fehlender Regeln nicht – man kann im Prinzip nichts so falsch machen, dass ein anderer eine  gelbe oder rote Karte zeigen könnte. Als zweites Ziel kann man also benennen, dass die Kinder lernen, sich Erfolge zu erarbeiten und diese dann auch nach außen zu tragen. So ist einer unserer Jungs neulich bei der Ausstrahlung eines Beitrags des Bayerischen Fernsehens zu sehen gewesen, wie er „stolz wie Bolle“ seine Klasse gegrüßt hat – ein Verhalten, das seine Eltern nie für möglich gehalten hätten. Aber er war so stolz darauf, dass er nun als erster in seiner Klasse ein Longboard hatte und damit auch richtig zu fahren gelernt hat – da konnte er sich dann leicht überwinden, die ihm bis dahin völlig fremde BR-Reporterin mitten in ihrer Arbeit zu fragen, ob er denn seine Klasse grüßen dürfte. Seinen Eltern standen die Münder offen.

Ein Gedanke zu „Aufgaben und Ziele

  • 27. April 2017 um 11:26
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    Hallo ich bin Mutter eines asperger Syndrom kindes 12 Jahre alt und wir wohnen in Augsburg Inningen. Ich würde gerne meinen Sohn bei Ihnen anmelden.
    Meine Telefonnummer: 0152 22 073 162.
    Würde mich freuen wenn Sie sich mit mir in Verbindung setzen.

    Mfg Isabel Andrade

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